Zum Abschuss freigegeben – 1.11. – 20.12.2015

 

Alle Kunstwerke sind nach Verfügbarkeit über die Ausstellungsdauer hinaus erhältlich. Preis auf Anfrage.

An Allerheiligen, dem Gedenktag an die Toten, eröffnete die Galerie Angermeier die Ausstellung „Zum Abschuss freigegeben“. An den 5 Sonntagen im November nutzten rund 1.000 Besucher die Gelegenheit, der Jagd, der ältesten Form der Unterwerfung der Natur durch den Menschen, nachzuspüren.

Zur Ausstellung           In der Zusammenschau klassischer Jagdtrophäen – Leihgaben an die Galerie Angermeier, die teils aus heimischer, teils aus exotischer Fauna stammen – und künstlerischen Arbeiten rund um das Sujet der Jagd, ergibt sich ein eigenwilliger und hintersinniger Blick auf diese uralte menschliche Betätigung, die nicht selten kontroverse Diskussionen auslöst. In der für diese Jahreszeit typischen Dunkelheit und Kälte, die das Ausstellungskonzept nachempfindet, dringen schlaglichtartig erleuchtet die Arbeiten der preisgekrönten und international renommierten Fotografen Michael Tummings, Sorin Morar und Robert Götzfried ans Licht. Daneben beben großformatige Holzkisten von Anne Pfeifer als symbolischer Herzschlag der Trophäen von der Wand. Ein Büffelkopf thront wie als Mahnung über einer Videoinstallation der Künstlerin.

Michael Tummings, geboren 1966 in London als Kind jamaikanischer Einwanderer, widmet sich seit 2008 dem Thema der Jagd. Ihre anthropologische Komponente hat den Fotografen in ihren Bann geschlagen. Das Rituelle und Archaische an ihr fasziniert ihn weit mehr als der eigentliche Akt des Tötens. Seinen Jagdporträts, die in der Ausstellung zu sehen sind, ist diese anthropologische Neugier anzusehen. Noch in diesem Jahr erscheint im Kehrer Verlag zu dieser Serie erstmalig einen Fotoband mit dem Titel „Hidden“. 2014 hat Tummings in der Porzellan Manufaktur Nymphenburg sein figuratives Erstlingswerk mit dem Titel „Huntsman I“ in Zusammenarbeit mit den Meisterwerkstätten realisiert.

In den Arbeiten des Fotografen Sorin Morar wird dagegen die Jagd selbst nicht thematisiert, wohl aber das Setting, in das wir sie zumindest hierzulande verorten: der Wald. Der 1972 in Rumänien geborene Morar beschwört in der hier gezeigten Serie „Tiefenwald“ den urdeutschen Mythos „Wald“, um ihn im selben Atemzug zu entzaubern. Nicht nebelverhangene, märchenhafte Landschaften sind es, die er zeigt, sondern vegetative Meditationen, die sich durch die Reduktion auf formale Strukturen gewohnten Sehmustern entziehen.

Robert Götzfrieds‘ Serie „Hochstände“ bringt wiederum den Wald und die Jagd explizit zusammen. Die klare und präzise Ästhetik der Arbeiten des 39-jährigen Lindauers, über die bereits Spiegel Online, die spanische Tageszeitung El Pais, das Designmagazin novum, des schwedische Designmagazin RUM und viele mehr berichtet haben, verweist auf die absolute Ruhe, in der die Fotografien entstanden sind: Zu unchristlichen Zeiten, dann wenn noch kein Jäger auf der Pirsch ist, war Götzfried für seine Aufnahmen unterwegs. Verlassen, in sich ruhend, fast erhaben wirken die Hochstände, deren Inszenierung einen Spannungsbogen aufbaut zu der ihnen eigenen Einfachheit.

Von dieser formalen Ästhetik heben sich die Arbeiten der 1987 geborenen Künstlerin Anne Pfeifer klar ab. Ihre Installation „Ceremony“, bei der sechs an der Wand hängende Holzkisten im Format eines menschlichen Torsos aus ihrem Inneren Anschläge erfahren, eröffnet einen emotionaleren Zugang zum Thema der Ausstellung. Der Rhythmus haucht den Kisten Leben ein, verleiht ihnen einen Herzschlag. Ihre Lebendigkeit tritt als Stellvertreter in Kraft, für die Trophäen der Tiere, die ihr Leben bereits ausgehaucht haben. Gleichzeitig gemahnen die Kisten gerade durch ihre Lebendigkeit an die Vergänglichkeit, denn irgendwann wird das Holz durch die Aufschläge zerbersten oder sich abnutzen.

Wie gewohnt wurde die Ausstellung von Martin Kinzlmaier in Szene gesetzt. Der AD-Stylist und Bühnenbildner öffnet in den alten Mauern des Kirchmoarhofs den Blick auf die archaische Welt der Jagd. Ritual und Präzision kommen vor düster-geheimnisvoller Atmosphäre zusammen. Wie üblich greift er dabei auf ausgewählte Möbelstücke der Top-Designer Christian Seisenberger (JANUA), Florian Vogel (VICTOR FOXTROT), Holzgschichten und Thomas Kandler zurück.

Zudem lädt neben der Kunst und den Möbeln wie immer die Bauernstube des Kirchmoarhofs zum Verweilen ein. Dort, wo die legendäre Münchner Fraunhofer Schoppenstube 2013 ihre neue, ländliche Heimat gefunden hat, treffen sich wie einst zu Gertis Zeiten Handwerker und Künstler, Manager und Sammler, Landwirte und Bohemiens.