What are they doing in there ?? – 27.5.2017 – 28.10.2017

 

Alle Kunstwerke sind nach Verfügbarkeit über die Ausstellungsdauer hinaus erhältlich. Preis auf Anfrage.

Zwischen dem 27. Mai und 28. Oktober 2017 stellte sich in Winden (erneut) die Frage: Was machen die da drinnen ?? – In dieser Gruppenausstellung machte die Galerie Angermeier ein bevölkertes Bauernhaus, seine Bewohner, die Funktion seiner Einheiten und nicht zuletzt den betrachtenden Blick zum Thema.

„What are they doing in there??“ zeigte Exponate (Skulpturen, Zeichnungen und Installationen) renommierter Künstler aus dem In- und Ausland: Clemens Weiss (New York), Josef Lang, Gerd Paulicke (Basel), Ivana Barták (Prag), Ackstaller und Schweikl, Peter Rappl, Thomas Hans, Eva Zenetti und das Künstler-Trio Melina Hennicker, Andreas Woller und Michael Schmidt.

Gleich zu Beginn wurde der Besucher von den aus riesigen Eichenstämmen mit Säge herausgearbeiteten, teils farbig gefassten Skulpturen des vielfach ausgezeichneten Bildhauers Josef Lang empfangen. Der Mensch steht im Mittelpunkt seines Schaffens. Dennoch strahlen sie weder Individualität noch Alltäglichkeit aus, sondern stehen als Chiffre und formelhafte Reduktion für sich selbst. Sie wiesen den Weg vom Hof, von Außen ins Innere, wo einem im Erdgeschoss die Plastiken von Ackstaller & Schweikl, Thomas Hans und Peter Rappl begegneten. Individuelle Züge sucht man hier ebenso vergebens. Programmatisch verweisen die Figuren auf allgemeingültige Themen, von der Mutterschaft bis zum Verfall, geleiten die Besucher weiter ins Innere, in den verwinkelten BAU von Melina Hennicker, Andreas Woller und Michael Schmidt. Er verleiht dem Blick nach innen eine ganz andere Bedeutung. Wohnen wird als Behausung in seiner ursprünglichen und rohen Bedeutung aufgefasst, als Schutz vor Kälte und Nässe, kein schöner Wohnen, sondern Reduktion auf profane Lebensäußerungen.

Oben angekommen, traf der Besucher auf die prallen weiblichen Figuren von der in Tschechien geborenen Ivana Barták. Sie wiederum entfernen sich in ihrer schier spürbar gemachten Freude der Lebenskraft von der Profanität des Daseins, greifen das Moment des Spiels auf und lassen die Innenschau in hellere Sphären gleiten. Dabei geraten sie in direkte Konfrontation mit den labyrinthartig aufgebauten und augenscheinlich gewaltverzerrten Zeichnungen des in New York lebenden Clemens Weiss. Bei genauerem Hinschauen enthüllen sie surreale, unheimliche Szenerien, stets an der Grenze zur Abstraktion. (Arbeiten des Künstlers u.a. von dieser Serie befinden sich in zahlreichen öffentlichen Sammlungen wie dem MoMA in New York, dem Folkwang Museum in Essen, der Deutschen Bank Collection in Frankfurt am Main und dem Pushkin Museum in Moskau.) Eva Zenettis Installation „Geschlossene Gesellschaft“ leitet den Blick weiter in die Tiefen der Psyche. Hinter verschlossenen Vorhängen lassen vielsagende Geräusche weite Assoziationen – und Neugierde – zu. Geht der Vorhang aber unvermutet auf, verstummen die Geräusche, im Halbdunkel ließ sich die Szenerie – eine Spielanordnung? Masken? – lediglich erahnen.

Weiter spürte der inzwischen befangene Blick der knarrenden Holztreppe nach, bis unters Dach. Dort erwarteten einen Gerd Paulickes „Stelzenläufer“. Sie wurden bereits auf dem Weg dorthin in seinen „zerknüllten“ Zeichnungen angekündigt. Es sind geknechtete Kreaturen, unnatürlich an die Materie, ihre überlangen Stelzen, gekettet. Sie erzwingen einen pessimistischeren Blick auf das menschliche Dasein und auf das, was im Laufe der Zeit davon übrig bleibt. Ergänzt wurde dieser Eindruck mit einem Blick zur Seite. Die Arbeit des Chiemgauer Bildhauers Peter Rappl dokumentiert Schritt für Schritt das Versinken seiner selbstgeschaffenen „Figur“ in der Materie Beton. Was macht sie da drinnen?

In der Kombination der verschiedenartigen Skulpturen, Zeichnungen und Installationen mit dem mise en scène einer alltäglichen häuslichen Szenerie, für das erneut der Bühnenbildner und AD-Stylist Martin Kinzlmaier verantwortlich zeichnete, entstand entgegen der sonst üblichen Erwartungen an die Umgebung ein leichtes Unbehagen, die Verfremdung des Alltäglichen unterbricht ihre routinierte Wahrnehmung. Am Ende (oder Anfang?) stand der Besucher (oder Eindringling?) vor sich selbst, gespiegelte Fensterscheiben warfen den Blick auf sein Selbst zurück und spielten mit der Rollenaufteilung Künstler/Rezipient.