Felix Ludwig Neumann

 

Übermenschliches, sehr menschlich  Zweifellos, die Bilder des Felix Ludwig Neumann sind groß. Bereits in der Wahl seiner Formate zeigt der Künstler Mut zum Übermaß. Das Schöpferische sei tief in ihm angelegt und ein entscheidender Teil in ihm, konstatiert Neumann. Es sei, so meint er, auch Sinn von Kunst das Übermenschliche zu schaffen. Ihn interessiert, was ein einzelner Mensch erschaffen kann. Ihn fasziniert überdies, was über das praktikabel Leistbare eines Einzelnen hinausgeht. In einem innig-vertieften Prozess nicht nur die Möglichkeiten des eigenen kreativen Tuns auszuloten, sondern auch deren Grenzen zu gehen und immer wieder Neues in sich zu entdecken, das treibt den Münchner Künstler an.

So verwundert es kaum, dass sich Neumann in seiner kreativen Arbeit nicht auf eine kreative Disziplin beschränkt. Vielmehr schöpft er aus dem Vollen seines inneren Quells. Er schreibt, zeichnet, komponiert und singt. Die Malerei als Form des Ausdrucks ist im Besonderen in den letzten Jahren hinzugekommen. Dieses lustvoll-interdisziplinäre Herangehen an seine Arbeit scheint er mit einer Selbstverständlichkeit zu begreifen, die womögliche Abgrenzungen gar nicht zulassen oder notwendig erscheinen lassen. Musik habe für ihn oft etwas sehr Grafisch-Architektonisches, kommentiert er. Die Malerei hingegen sei sehr musikalisch und rhythmisch geprägt. In diesem beständigen, synästhetischen Entlehnen und Verflechten musischer Stränge verortet sich die Malerei Neumanns.

Auch die Themen, mit denen er sich in seinen Arbeiten beschäftigt, sind ebenso groß wie deren Formate. Zumindest erscheinen sie auf den ersten Blick gewaltig und nicht selten von theatraler Dramatik. Analog zu seinem vieldimensionalen künstlerischen Schaffensprozess verwebt er in seiner Malerei popkulturelle Zitate mit mythologischen Figuren der Antike und lässt unterbewusste Impulse auf polithistorische Ereignisse treffen. In großer Geste verschränkt er dabei, auch formal, bisweilen in fast disparat wirkender Collage, grafische Elemente mit kräftigem malerischem Duktus. Er hofft in den Kompositionen seiner Bilder das Traumhaft-Assoziative, das aus seinem Unterbewussten steigt, festhalten zu können und zugleich ein Rätsel bewahren zu können. „Denn nichts ist weniger aufregend als ein Rätsel, das entschlüsselt ist“, so Neumann.

Er betrachtet die Themen, mit denen er sich in seinen Bildern auseinandersetzt, und die zahlreichen popkulturellen und (polit-)historischen Bezüge, die er in diesen anklingen lässt, mit viel Ironie. Er sieht die Zitate vielmehr als stilistisch poppige und bewusst tollpatschige Antwort auf eine elitäre Haltung, die in der Kulturwelt häufig anzutreffen sei. Er nimmt eine Rolle ein und versuche, diesen selbstgefälligen Ernst der bildungsbürgerlichen Schicht mit Humor zu unterlaufen und ihr in belesen-wissender Pose zu begegnen. Dennoch räumt der Künstler ein, dass sich hinter dieser Absicht einer augenzwinkernden Persiflage hochkultureller Gebärde mehr verbirgt. In dieser Behauptung von Tiefe entwickle sich mit den gewählten Elementen und Themen unweigerlich ein dialogisches Konzert. In diesem Schauspiel auf der Leinwand und der gewollt theatralen Pose, in der er seine Bilder inszeniert, gibt es schließlich stets aufs Neue etwas zu entdecken.

„Meine Bilder sind Utopien“, sagt Neumann, „zu denen es mich immer wieder hinzieht“. Er gewährt diesen neuen Weltideen ihren Raum und erlaubt ihnen, sich medial in fortwährend neuen Formen zu zeigen. Obgleich sie häufig große Geschichten; Mythologien und Weltgeschehen verhandeln, lassen Neumanns Bilder in ihrer Suche nach Utopie auch immer wieder sehr Menschliches und Intimes durchscheinen. So taucht der menschliche Körper als Medium und Schauplatz für seine Betrachtungen oft in seinen großformatigen Bildern auf. Es sind Körper, die sich zueinander verhalten, miteinander kommunizieren, nicht selten in provokant sexueller Position. Körper bewegen ihn, meint er, und es sind schließlich diese abstrahierten Figuren, die in Neumanns Bildern in ihrer Eigenwilligkeit eine neue Ebene öffnen. Es sind diese Zwischentöne in den vermeintlich lauten und monumentalen Werken, die Nuancen und Ambivalenzen im großen Wurf auf die Leinwand, die etwas sehr Persönliches erahnen lassen.

Text von Kilian Ihler