Münchner Fraunhofer Schoppenstube (im Exil)

 

Im Sommer 2013 musste die legendäre Fraunhofer Schoppenstube in München nach fast 40 Jahren ihre Türen schließen. Lange kämpfte Kult-Wirtin Gerti Guhl mit Unterstützung zahlreicher Prominenz wie Ex-Oberbrügermeister Christian Ude, Tatort-Schauspieler Udo Wachtveitl und Regisseur Marcus H. Rosenmüller gegen das Ende der Kneipe.

Zusammen mit Ihrem Mann Werner übernahm Gerti 1973 das Lokal. Werner spielte früher die ganze Nacht Akkordeon und sang zusammen mit den Gästen Gassenhauer wie „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“. Selbst der italienische Sender Rai Uno hat über sie berichtet, auch die New York Times und zahlreiche deutsche Zeitungen sangen Lobeshymnen auf sie und ihre Kneipe. „Da trifft man auf Gleichgesinnte, da sind halt auch die normalen Leit“, so Rosenmüller in einem Interview mit der Münchner Abendzeitung. 2011 drehte Peter Goedel einen Kinofilm mit dem Titel: “Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da!”

Heute befindet sich die fast 100 Jahre alte Einrichtung im Original in der ehemaligen Bauernstube des Kirchmoarhofs. Die große Revue von Einst lässt sich nicht mehr beleben, dafür war die Schoppenstube zu einzigartig. Dennoch sind wie zu Gertis Zeiten alle Leute, egal ob Landwirt von nebenan oder Schauspieler aus der Stadt, weiter zum gemütlichen Beisamensein eingeladen. Und wer weiß, so manches mal luckte Gerti schon durch die Tür und offerierte ihre leckeren Fleischpflanzerl und dazu ein Schoppen Wein…

SZ-Artikel vom 20./21. September 2014 „Schicksalsstube“