Philomena – Göttlich Künstliche Kunst – 13.06. – 01.08.2015

 

Alle Kunstwerke sind nach Verfügbarkeit über die Ausstellungsdauer hinaus erhältlich. Preis auf Anfrage.

Philomena im Wunderland. – In der Jahresausstellung PHILOMENA – Göttlich Künstliche Kunst. werden die Besucher zwischen Kuhstall und Kirchengeläut mit auf eine skurrile Reise ins Reich der Fantasie genommen: Zu den opulenten Traumwelten in den Modefotografien des international vielfach publizierten Marcus Schäfer gesellen sich die schrillen, überlebensgroßen Puppen des Kostümbildners Robert Kis sowie die zugleich zerbrechlich und brachial wirkenden Skulpturen der Bildhauerin Lena Zehringer. Zusammen bevölkert die groteske Schar das ländliche Bauernhaus, in dem sich die Galerie befindet und fordert die Besucher heraus, den Gegensatz zwischen schön und hässlich, ländlich und urban, weiblich und männlich neu zu überdenken.

Die Motive der großformatigen Arbeiten des freischaffenden Fotografen Marcus Schäfer scheinen nicht von dieser Welt zu sein: Eine Femme fatale in Neon-Farben heftet ihren stechenden Blick auf den Betrachter, wobei ein Auge und der Mund auf den vor ihrem Gesicht befindlichen Handrücken liegen. Auf einem anderen Werk schauen einen gleich zwei Augenpaare an. Sie gehören zu einem undefinierbaren Wesen (Mann oder Frau?), das sich einem kopfüber präsentiert. Auf diese Weise erschüttern Schäfers Fotografien die Grundpfeiler unserer Erfahrung – Raum, Zeit, Kausalität und Logik –, um uns aus der Realität in eine skurrile Traumwelt zu entführen.

Ähnlich unwirklich und grotesk geben sich Robert KisKostüm-Puppen. Die teils riesenhaften Wesen tragen allesamt die Drag Queen-Kostüme, die Kis als Teil der High Heels-Comic Drags selbst auf der Bühne trug. Bei ihnen genauso wie bei seinen Textilobjekten, die ebenfalls in der Ausstellung zu sehen sind, gilt: Anfassen erwünscht! Auf diese Weise wird das entrückte Dasein als museales Kunstobjekt von vornherein dekonstruiert.

Weniger bunt und so gar nicht divenhaft kommen Lena Zehringers trotzige Hausfrauen-Büsten daher. In den Skulpturen setzt sich die Bildhauerin mit typisch weiblichen Rollenbildern auch ihrer eigenen Rolle auseinander. Durch Übertreibung werden Rollen-Klischees auf die Spitze getrieben, die Schönheit besteht in der Antischönheit.

Femme fatale, Diva, Hausfrau PHILOMENA göttlich künstliche Kunst untersucht Facetten der Weiblichkeit, sprengt den festgelegten Rahmen der Geschlechtergrenzen. Insofern ist der Titel als Motto der Ausstellung zu verstehen. „Philomena“ heißt aus dem Griechischen übersetzt „Freundin des Mutes“: mutig Grenzen zu sprengen jene zwischen männlich und weiblich, schön und hässlich, real und irreal, ländlich und urban. Alternative ist das dargebotene Wunderland.

Wie gewohnt wird die Ausstellung von Martin Kinzlmaier in Szene gesetzt. Der AD-Stylist und Bühnenbildner erschafft in den alten Mauern des Kirchmoarhofs dieses schillernde Wunderland, das den Besucher staunend in seinen Sog zieht. Wie üblich greift er dabei auf ausgewählte Möbelstücke der Designer Christian Seisenberger (JANUA), Florian Vogel (VICTOR FOXTROT), Thomas Kandler und Holzg’schichten zurück.

Zudem lädt neben der Kunst und den Möbeln wie immer die Bauernstube des Kirchmoarhofs zum Verweilen ein. Dort, wo die legendäre Münchner Fraunhofer Schoppenstube 2013 ihre neue, ländliche Heimat gefunden hat, treffen sich wie einst zu Gertis Zeiten Handwerker und Künstler, Manager und Sammler, Landwirte und Bohemiens.

"Conventions are playfully broken. Beauty is depicted in multivarious contrasting ways. [...] It is exactly this creative interaction which makes this exhibition so unique." (160g, Paris, 7. Mai 2015)

"Surreal, widerspenstig, gewagt: Die Jahresausstellung in der Galerie Angermeier in Winden bei Haag gibt vor allem Künstlern ein Forum, die sich nicht so einfach in den Kunstbetrieb einsortieren lassen wollen" (Süddeutsche Zeitung, 15. Juni 2015)