Close to Action – Performance Documentary 1961 -1985 | 13.09.-01.11.2014

Alle Kunstwerke sind nach Verfügbarkeit über die Ausstellungsdauer hinaus erhältlich. Preis auf Anfrage.

Die Galerie Angermeier zeigt erstmalig in Deutschland eine Sammlung fotografischer Zeugnisse herausragender Performance-Kunst der 60er, 70er und 80er Jahre. Die Schwarzweiß-Fotografien dokumentieren die ersten Performance- Aktionen der Avantgarde in Metropolen wie New York, Tokyo, Paris und Rom. Sie stammen aus einer umfassenden Sammlung, die in den 80er und 90er Jahren von Giuseppe Casetti, dem damaligen Besitzer der Galerie Maldoror und engen Freund der Fotokünstlerin Francesca Woodman, aus Zeitungs- und Privatarchiven in Rom und Turin zusammengetragen wurden. Seit der Jahrtausendwende wurden Auszüge davon u. a. in der Galerie Il museo del Louvre und L’attico di Fabio Sargentini in Rom, bei Henrique Faria und im MOMA in New York und auf den Kunstmessen Arco in Madrid, ArteBo in Bogotá und der Frieze in London gezeigt.

Die Galerie Angermeier zeigt nun im Original mehrere dieser fotografischen Zeugnisse, die die Zeit zum Stillstehen bringen, das Flüchtige bannen und so eine Retrospektive auf die ephemere Kunstform der Performance Art ermöglichen. Darunter befinden sich Dokumentationen von so eindrücklichen Aktionen wie der 1977 in Bologna stattgefundenen Performance „Imponderabilia“ von Marina Abramović und ihrem Partner Ulay, in der die Künstler als Tür fungieren. Die beiden stehen sich nackt gegenüber. Zwischen ihnen befindet sich nur ein schmaler Spalt, durch den hindurch die Besucher in den Ausstellungsraum gelangen. Sie müssen sich entscheiden, wem der beiden sie sich bei dieser erzwungen intimen Bewegung zuwenden.

Oder der „Sculture viventi“ von dem einflussreichen Wegbereiter der Aktionskunst Piero Manzoni, der frech und höchst subversiv die „Merda d’Artista“ – die Künstlerscheisse in 90 Dosen zu je 30 Gramm verkaufte. In den vorliegenden Fotografien sieht man, wie er lebende Körper signiert und sich so ironisch mit dem Begriff des Kunstwerks auseinandersetzte.

Die Dokumente werden wie gewohnt von dem AD-Stylisten und Bühnenbildner Martin Kinzlmaier arrangiert und behutsam in die Umgebung des alten Bauernhauses integriert. Der Kontrast von Umgebung und Inhalt bzw. Konzept dieser Ausstellung verweist auf das spannungsgeladene Verhältnis der Performance Art zu einem traditionellen Begriff der Kunst.

In Anlehnung an Michelangelo Pistolettos „Il tavolo del giudizio“ in der Galerie De Domizio (Pescara, Italien) im Jahr 1980 können sich die Besucher zur Ausstellungseröffnung an einem sieben Meter langen Tisch im Innenhof versammeln und bei musikalischer Begleitung ihre persönlichen Urteile fällen.

“Mit der aktuellen Ausstellung ist es [Tom Angermeier] nun wieder gelungen, die große weite Welt nach Winden zu holen: eine spektakuläre Sammlung originaler Fotoabzüge bedeutender Performances aus den 60er, 70er und 80er Jahren, präsentiert zwischen Antiquitäten, Designklassikern und modernem Schreinerhandwerk, …“ (Münchner Feuilleton, Nr. 34, Oktober 2014)